INTERNATIONAL AKTIEN Adipositas bleibt ein sehr spannendes Thema, aber die Innovationslandschaft ist deutlich breiter. Besonders dynamisch entwickeln sich derzeit die Immunologie, die Onkologie und RNA-basierte Thera- pien. Argenx beispielsweise erweitert kontinuierlich den Einsatz seiner The- rapien gegen Autoimmunerkrankungen. Im Bereich Krebsmedizin sehen wir große Fortschritte bei zielgerichteten Therapien, die auf spezifische genetische Veränderungen ausgerichtet sind. Zudem entstehen neue Plattformtechnologien, die künftig in mehreren Krankheitsgebie- ten eingesetzt werden können. Genau solche Innovationszyklen suchen wir. Die weltweit zweithäufigste Todesursache ist Krebs. Kürzlich fand die jährliche ASCO-Konferenz statt. Welche Erkenntnisse haben Sie mitgebracht? Die ASCO hat erneut gezeigt, wie schnell sich die Krebsmedizin weiterentwickelt. Besonders beeindruckend waren Fort- schritte bei hoch spezialisierten Therapien für klar definierte Patientengruppen. Aus unserem Portfolio haben etwa die Daten von Revolution Medicines gezeigt, welches Potenzial neue Ansätze bei KRAS-getriebe- nen Tumoren haben können. Gleichzeitig sehen wir im Bereich Lungenkrebs immer präzisere Behandlungsansätze, die Patien- ten deutlich gezielter helfen können. Die Richtung ist klar: Die Onkologie wird individualisiert. Wird Krebs eines Tages heilbar? Krebs ist keine einzelne Krankheit, sondern umfasst Hunderte unterschied- liche Erkrankungen. Deshalb wird es wahrscheinlich nie die eine Heilung für Krebs geben. Gleichzeitig haben wir in vielen Bereichen enorme Fortschritte erzielt. Einige Krebsarten können heute bereits langfristig kontrolliert oder sogar geheilt werden. Besonders große Fort- schritte sehen wir bei der Präzisions- medizin und bei Immuntherapien, die Behandlungen zunehmend gezielter und wirksamer machen. Auch neue Techno- logien und ein besseres Verständnis der Krankheitsbiologie tragen dazu bei, die Behandlungsmöglichkeiten kontinuier- lich zu verbessern. Welche Rolle spielt KI aktuell im Biotechnologiesektor? Was erwarten Sie in der Zukunft? KI wird derzeit oft als Revolution für die Biotechnologie bezeichnet — und tatsächlich eröffnet sie enorme Möglich- keiten. Besonders wertvoll ist sie heute bei der Analyse großer Datenmengen, der Identifikation neuer biologischer Zusammenhänge und der Suche nach potenziellen Wirkstoffzielen. Gleichzeitig ist es wichtig, die Erwartungen realis- tisch einzuordnen. Die Entwicklung eines Medikaments bleibt ein komplexer und langwieriger Prozess. Klinische Studien „Adipositas bleibt ein spannendes Thema. Besonders dynamisch ent wickeln sich jedoch Immuno logie, Onkologie und RNA-basierte Therapien.“ Christian Koch Leiter BB Biotech Team und Executive Board Member bei Bellevue Asset Management müssen durchgeführt, Wirksamkeit und Sicherheit nachgewiesen und regulato- rische Anforderungen erfüllt werden. Diese Schritte lassen sich auch mit KI nicht beliebig verkürzen. Bei BB Biotech ist KI längst ein integraler Bestandteil unseres gesamten Investmentprozesses. Wir haben dafür eine proprietäre, vollständig digitale Analyseplattform aufgebaut, in der unsere Research-, Daten- und Investmentaktivitäten zen- tral gebündelt sind. Diese Infrastruktur ermöglicht es uns, wissenschaftliche Erkenntnisse, klinische Daten und Unternehmensinformationen systema- tisch zu verarbeiten und in Echtzeit auszuwerten. Insbesondere agentische KI hat die Effizienz und Skalierbarkeit unserer Analysen deutlich erhöht. Sie unterstützt unsere Analysten dabei, wissenschaftliche Daten, klinische Ergebnisse und Unternehmensinfor- mationen schneller auszuwerten und relevante Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Die finale Beurteilung und Investmententscheidung bleibt jedoch klar in den Händen unserer Investment- experten. Sie haben Ihr Portfolio im ersten Quartal stark umgeschichtet. Was waren die Gründe? Wir haben die Marktphase genutzt, um das Portfolio breiter aufzustellen und neue Chancen wahrzunehmen. Insge- samt haben wir elf neue Positionen auf- gebaut. Gleichzeitig haben wir erstmals ausgewählte Large-Cap-Biotech-Unter- nehmen aufgenommen, um das Portfolio robuster gegenüber makroökonomischen Unsicherheiten zu machen. Unser Ziel war es, die Diversifikation zu erhöhen, ohne den Fokus auf innovative Wachs- tumsunternehmen zu verlieren. Die Anpassungen spiegeln eine Weiterent- wicklung unseres Investmentansatzes wider, keinen Strategiewechsel. Die neuen Anlagerichtlinien ermöglichen es Ihnen, in bis zu 50 statt zunächst 35 börsennotier- te Unternehmen zu investieren. Was steckt dahinter? Der Biotechnologiesektor bietet heute deutlich mehr attraktive Investmentmög- lichkeiten als noch vor einigen Jahren. Mit einer breiteren Zielbandbreite kön- nen wir diese Chancen besser nutzen und gleichzeitig die Diversifikation verbes- sern. Unsere Kernbeteiligungen bleiben weiterhin entscheidend für die Wertent- wicklung. Die Erweiterung ermöglicht uns jedoch, zusätzliche Opportunitäten gezielt abzubilden und neue Ideen früher ins Portfolio aufzunehmen. Gleichzeitig haben wir unsere Research-Kapazitäten weiter ausgebaut — mit starken Teams in den USA und in Zürich sowie dem gezielten Einsatz agentischer KI. Dadurch können wir wissenschaftliche Daten und Unternehmensinformationen deutlich effizienter analysieren, was sich auch in neuen Investmentideen und Portfolio- Entscheidungen widerspiegelt. Trotz eines breiteren Anlageuniversums bleiben wir unserem Ansatz treu: fokussiertes Stock-Picking auf Basis fundierter wissenschaftlicher Analysen. RICHARD PFADENHAUER BÖRSE ONLINE 27 26.6.2026 − 2.7.2026 47